stadt_potenziale

#wegonnabreath

Ein Projekt von Black Community Innsbruck
stadt_potenziale 2021, Fördersumme: 10.000,–
Durchführung: 2021/2022

Projektbeschreibung

»If I didn’t define myself for myself, I would be crunched into other people’s Fantasies for me and eaten alive«
(Audre Lorde)

Wer wir sind
Die Black Community IBK ist während den Protesten gegen den Mord an George Floyd entstanden, um dem Bedürfnis zu folgen, uns gemeinsam, nachhaltig und liebevoll zu organisieren und für die Freiheit und Gerechtigkeit Schwarzer Menschen in Innsbruck einzutreten. Unsere Arbeit zielt bewusst darauf ab, eine Schwarze Gemeinschaft im Kampf gegen Rassismus und Desprivilegierung zu formieren und zu fördern, die sich ihrer Geschichte bewußt ist und nicht dieselben Unterdrückungsmechanismen gegeneinander anwendet.

Wir wollen mit dem Projekt #wegonnabreath ein Stück ,Black History‘ in Innsbruck schreiben.

Schwarze Geschichte
Unsere Arbeit strebt danach, Schwarzen Menschen in Innsbruck Zugänge zu »ihrer« Geschichte zu schaffen, um davon ausgehend gegenwärtige Gesellschaftsstrukturen und die individuelle Eingebundenheit nachvollziehen zu können. Schwarze Menschen sind seit Jahrhunderten Teil der österreichischen Gesellschaft und damit auch Teil österreichischer Geschichte. Dennoch werden wir in der hiesigen Erinnerungskultur und Geschichte strukturell ausgeblendet oder fremd beschrieben. Essenzialistische Vorstellungen von nationaler Zugehörigkeit sollen auf diesem Weg nachhaltig zurückgewiesen werden.

Wir wollen mit Menschen und deren Biografien, Geschichten, das Alltagsleben und das Schaffen, Wirken und Denken, die in Innsbruck sonst kaum gehört werden, in Kontakt treten. Wir wollen gemeinsam recherchieren, entdecken, lernen, feiern, chillen und alles dokumentieren.

Wir, die Black Community Innsbruck, schmieden Pläne für dieses Projekt und zwar bereits seit einer Weile: die Zeit ist nun also reif, diese umzusetzen, in die Öffentlichkeit zu treten, unsere Community zu stärken und wachsen zu lassen.

Mit unserer Arbeit wollen wir unsere Vorstellungen von einer offenen, solidarischeren und pluraleren Gesellschaft voranbringen. Dazu ist es notwendig zu zeigen, dass eine solche Gesellschaft längst da ist, und dass sie einen großen Reichtum birgt. Mit dem Projekt möchten wir zeigen, dass Menschen aus der afrikanischen Diaspora die Kultur und Geschichte Innsbruck auf vielfältige Weise prägen und dass es viel von ihnen zu lernen gibt.

Hintergrund des Projekts
Mehr als 60 Jahre ist es her, dass der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin nach Europa kam und feststellte: Die meisten Europäer:innen hatten noch nie einen Schwarzen Menschen gesehen. Baldwin kam sich vor wie eine Sehenswürdigkeit: »Wenn ich länger als fünf Minuten in der Sonne sass, kam bestimmt irgendein besonders mutiges Geschöpf zu mir und legte ängstlich seine Hand auf meine Hand und wunderte sich, dass die Farbe nicht abging«, schrieb er 1955 in »Stranger in The Village«. Vieles hat sich seither verändert, die österreichische Gesellschaft wird immer pluraler, Schwarze Menschen gehören zum Alltag und werden auch in Zukunft Österreich prägen.

What about Innsbruck?
Innsbruck, seine Berge und der Tourismus sind ein zentraler Ort für Geschichte, Migration und Leben. Schwarze Menschen kamen und kommen aus den unterschiedlichsten Ländern und Gründen. Viele wurden hier bereits als Österreicher:innen geboren, andere kommen aus Amerika, Afrika, viele sind Asylbewerber:innen. Kaum jemand aber kennt unsere Geschichte. Wer sind wir? Welche sind unsere Geschichten? Wie leben wir in Innsbruck? Welche Erfahrungen machen wir hier? Welche Verbindung haben wir zur Stadt und deren Bewohnerinnen? Was können wir verändern und wie können wir Veränderung zum Laufen bringen? Mit welchen Diskriminierungserfahrungen (von rassistischen club door politics bis hin zu institutionellem Rassismus) sind wir in Innsbruck konfrontiert?

Unser Projekt möchte dies ändern. Dabei richtet sich der Fokus auf Schwarze Menschen, unsere Stimmen wurden und werden oft am wenigsten gehört. Wir arbeiten mit dem Ziel ein Netzwerk zu fördern, daß die alltäglichen Erfahrungsschätze und die daraus gewonnenen Befähigungen jeder einzelnen Schwarzen Person – in Anbetracht des Alters, der tatsächlichen oder wahrgenommenen Geschlechtsidentität, der sexueller Orientierung, des wirtschaftlichen oder sozialen Status, des Einwanderungs- oder Aufenthaltsstatus, des religiösen Glaubens oder Unglaubens – anerkennt und anwendet, um allen Formen von Unterdrückung ein Ende zu setzen.

Wir sehen uns in der Verpflichtung unsere Aktivitäten familienfreundlich zu gestalten, um Eltern und Kindern eine nachhaltige und aktive Beteiligung zu ermöglichen. Dabei möchten wir uns von westlich geprägten, patriarchalen Vorstellungen und Familienstrukturen lösen, indem wir uns gegenseitig als erweiterte Familie betrachten. Konkret meint das gegenseitige Unterstützung und sich gemeinsam für einander zu interessieren.

Each one teach one – Intergenerationalität
Wir sind bestrebt, ein generationsübergreifendes und kommunales Netzwerk frei von Altersdiskriminierung zu fördern. Wir sind überzeugt, daß alle Menschen, unabhängig des Alters, über Fähigkeiten zum Lernen und Lehren verfügen. Darüber hinaus sehen wir generationenübergreifende Zusammenarbeit als wertvolle Quelle, die unterschiedliche Erfahrungsspektren mit neuen Visionen verbindet und unsere gemeinschaftsbasierte Arbeit ideologisch und konzeptionell bereichert.