stadt_potenziale

KUNSTtransPORT liefert EGALität

ein Projekt von KUNSTtransPORT – Verein zur Förderung künstlerischer Kreation
stadt_potenziale 2013, Fördersumme: € 8.450,–
Durchführung: 2011–2013
KUNSTtransPORT
KUNSTtransPORT in der bäckerei in Innsbruck. Fotos: KUNSTtransPORT
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Die Künste-übergreifende Ladung besteht aus künstlerischen Arbeiten von jungen KünstlerInnen aus Innsbruck und Umgebung zum Thema EGALität. Inhaltlich werden an diesem Abend Fragen nach Gleichberechtigung oder Chancengleichheit aber auch Individualismus und das gesellschaftliche, soziale, kulturelle oder politische Engagement der Innsbrucker Bevölkerung zum Thema. Angebliches Desinteresse und Rückzugstendenzen führen zur Frage, ob Gleichberechtigung egal geworden ist. In der umfassenden Grenzen überschreitenden künstlerischen Diskussion werden zudem Konzepte und Möglichkeiten zur Beteiligung gesucht, ausprobiert oder hinterfragt.

KUNSTtransPORT fordert, Grenzen zu verwischen und Kunstrichtungen und Medien zu verknüpfen, um sich dadurch neuen, aktuellen Ausdrucksmöglichkeiten zu nähern, anstatt seine Sprache in abgeblätterte Fensterrahmen einzupassen. Unbekannte künstlerische Möglichkeiten der Elektronischen Musik und Videokunst werden auf der selben Ebene diskutiert wie neue Formen der Literaturperformance, Fotografie oder aktuelle Entwicklungen der bildenden Künste wie des Theaters. Die KünstlerInnen sind gefordert, aktiv miteinander in Kontakt zu treten, zu kommunizieren und im Sinne einer künstlerischen Dynamik gemeinsam zu einer offenen Thematik zu experimentieren.

Neben der konkreten Abendveranstaltung steht insbesondere die Vermittlung in Form von Workshops im Zentrum. Dabei werden Jugendliche aktiv in den künstlerischen Prozess eingebunden und mit einem Status Quo der Kunstszene sowie mit neuen transmedialen Möglichkeiten in Kontakt gebracht. Darüber hinaus sind sie gefordert, sich mit der aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellung aus einer künstlerischen Perspektive auseinandersetzen. Die Ergebnisse neben den anderen künstlerischen Arbeiten am Veranstaltungsabend präsentiert.

Im Zuge von KUNSTtransPORT liefert EGALität findet ein Workshop mit SchülerInnen der HTL für Kunst und Design mit Schwerpunkt Fotografie statt. Die SchülerInnen werden unter der Leitung von Bildkünstler David Schreyer Spuren von EGALität in ihrem Alltag aufspüren, künstlerisch aufarbeiten, ihre eigenen Präsentationstechniken finden und selbstständig in den Räumlichkeiten installieren.
Foto: KUNSTtransPORT
Foto: KUNSTtransPORT
Foto: KUNSTtransPORT
Foto: KUNSTtransPORT
Zum Thema

Die offene Themenstellung EGALität soll dazu anregen, sich inhaltlich wie auf formaler Ebene mit Fragen nach dem aktuellem Ausmaß von gesellschaftlichem, sozialem, kulturellem oder politischem Interesse der Bevölkerung, Rückzugstendenzen oder Möglichkeiten zur Beteiligung zu beschäftigen. Ausgehend von immer knapperer Wahlbeteiligung in Innsbruck, Sparmaßnahmen, mangelnder Teilnahme an öffentlichen Versammlungen, schrumpfenden freiwilligen Engagement oder Bewegungen wie „Inns wurscht“ wollen wir KünstlerInnen dazu anregen, sich mit diesen Tendenzen zu beschäftigen und/oder Möglichkeiten und neue Formen einer Beteiligung zu erarbeiten. Gleichzeitig bietet der transmediale Abend genau jenen Raum, der es KünstlerInnen ermöglicht, ihre Statements, verpackt in Kunst, auszusprechen um Kunst als Beteiligungsmöglichkeit zu probieren.

Ein transmedialer Abend

EGALität wird von über 15 KünstlerInnen aus verschiedensten Positionen in verschiedensten Facetten inhaltlich oder formal aufgegriffen: Aus dieser inhaltlichen wie medialen Vielfalt und der enormen Selbstbeteiligung der KünstlerInnen entsteht eine perspektivenreiche, grenzüberschreitende und assoziative Annäherung an diese Thematik, die von den Besucherinnen und Besuchern einmalig in ihrer Gesamtheit am Veranstaltungsabend erlebt und zum Teil mitgestaltet werden kann. Körperbilder in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung tauchen neben der Infragestellung von Gleichwertigkeiten auf, persönliche Gewissenskonflikte und kritische Perspektiven auf Entpolitisierung über Integration bis Konsumverhalten finden ihren Platz neben konkreten Einladungen zur Beteiligung. Die 33 SchülerInnen eröffnen mit ihren Arbeiten noch mehr individuelle Perspektiven auf die Thematik und bringen Fragen nach Peer groups, styling, Essverhalten sowie Genderzuschreibungen mit ein. Die gesamten Veranstaltungsräumlichkeiten der Kulturbackstube stehen den KünstlerInnen für ihre Arbeiten zur Verfügung. Neben den stehenden Installationen die sich im Bereich Video, Literatur, bildender Kunst oder Fotografie auf unterschiedlichen Ebenen zum Teil auch partizipativ mit EGALität auseinandersetzen, wird EGALität auch aktiv ausgehandelt, der Raum wird durch elektronische Musik in Interaktion mit zwei Theaterprojekten bis 00:10 bespielt, während die Kunstwerke immer wieder neu betrachtet und durch den offenen Rahmen ausdiskutiert, verändert oder ausgetanzt werden können. Theater trifft auf elektronische Musik, Film auf Text und Smalltalk auf Poesie.

KünstlerInnen: 
Alexander Spechtenhauser. Bertram Schrettl. Bobby und Lissie. Christian Janek. Kerstin Hruza. Miriam Tiefenbrunner. Martin Mader. Riadh Ben Ammar. Schall&Rauch. Subtape/beatsempres. The Laughin Barbies. Vrottl. wastecooking. 33 SchülerInnen der HTL, u.v.m.

TransporterInnen: 
Johanna Huter. Johannes Bodner

www.kunsttransport.co.at
Foto: KUNSTtransPORT
Foto: KUNSTtransPORT
Foto: KUNSTtransPORT
Foto: KUNSTtransPORT
Rückblick KUNSTtransPORT liefert EGALität

Ein gemeinsames Experimentieren an einer Transmedialität und Perspektivenvielfalt.

Perspektivenvielfalt

Die von uns forcierte Perspektivenvielfalt auf die Thematik konnte durch die unterschiedlichen Erfahrungen der teilnehmenden KünstlerInnen, deren verschiedenen medialen Herangehensweisen sowie die spontane Zusammenarbeit durchaus erfüllt werden. Die unterschiedlichen Kunstsparten und Genres eröffneten ganz verschiedene Schwerpunkte. So wurde für die Musiker Bobby und Lissie EGALität zum Antrieb für Spontanität und Improvisation, während sich Miriam Tiefenbrunner beispielsweise in ihrer Videoarbeit mit der eigenen Körperwahrnehmung und dem Zwang zur Gleichheit und Fragen nach Individualität auseinandersetzte. Weiters konnten auch die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der KünstlerInnen zu unterschiedlichen Positionierungen beitragen. Der in Berlin lebende Riadh Ben Ammar präsentierte sein Ein- Personen Theaterstück bezugnehmend zu seiner Flüchtlingsgeschichte aus Tunesien. Seine ernsten und direkten Emotionen wurden von der elektronischen Musik verstärkt, weitergetragen, aufgelöst und über eine längere Zeit trotz tanzbarer Beats im Raum gehalten. Im Kontrast dazu standen beispielsweise einige Arbeiten der SchülerInnen die sich kritisch mit Massenkonsum in einer Wegwerfgesellschaft auseinandersetzten.

Transmedialität

Die Suche nach Transmedialität erwies sich als genauso spannend wie schwierig. Die Gleichzeitigkeit der Kunstrichtungen und Medien eröffnete neue Rezeptionsebenen, eine konkrete Zusammenarbeit zwischen den einzelnen KünstlerInnen und ein direktes Ineinandergreifen auf struktureller Ebene in den Konzepten steckt allerdings noch in den Kinderschuhen und das Experiment blieb bei einem vorsichtigen Antasten sowie den fließenden, respektvollen Übergängen zwischen einzelnen Projekten, die das Publikum vom einen in das nächste tragen konnten.

Offene Rezeption

Der offene Raum ohne Moderation und der vielseitige Raum ermöglichten es den BesucherInnen, selbst zu wählen, wann und wie lange sie sich mit welchen Installationen und Performances mit welchen Hintergründen auseinandersetzten, ermöglichte Stationen zur Partizipation sowie die Möglichkeit einer offenen Rezeption und Diskussion. Die Informationsbeschaffung lag allerdings ebenfalls an jedem/r selbst und viele Zusammenhänge und Verortungen waren nur durch aktive Lektüre zu erhalten, die auf Grund der lockeren Atmosphäre ein Wenig unterging.

Workshop

Der Workshop mit den SchülerInnen der HTL erwies sich als Highlight des Abends. die dabei fast 15 entstandenen unterschiedlichen Arbeiten zeigten noch einmal die Aktualität des EGAL seins in Innsbruck und spannende Ansichten und Geschichten aus dem Alltag von Jugendlichen, denen ganz und gar nicht alles egal ist. Einem künstlerischen Anspruch wurden die Arbeiten ohne Ausnahme gerecht, die SchülerInnen zeigten überraschende Qualitäten in der eigenständigen Umsetzung ihrer Projektideen und waren mit Spaß bei der Ausführung dabei. Viele der SchülerInnen besuchten auch selbst den transmedialen Abend und beschäftigten sich mit den unterschiedlichsten Medien und Projekten.

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Vorankündigung auf FREIRAD 105.9
Livemitschnitte der Arbeiten von Alexander Spechtenhauser und von Bobby & Lissie
Videodokumentation auf www.kunsttransport.co.at