stadt_potenziale

wem gehört die stadt?

ein Projekt von Michaela Niederkircher und Christine S. Prantauer
stadt_potenziale 2011, Fördersumme: € 8.000,–
Durchführung: 11–12/2011
wem gehört die stadt? Foto: Michaela Niederkircher
wem gehört die stadt? Fotos: M. Niederkircher
Projektbeschreibung

im stadtraum …

das aus 2 teilen bestehende projekt konfrontiert auf plakaten, aufklebern, einschaltungen in programmkinos und postkarten die bewohnerInnen der stadt mit der frage nach den besitzverhältnissen, auch und speziell jene, den öffentlichen raum betreffend. gerade dort, wo diese per definitionem scheinbar keine rolle spielen, im so genannten „öffentlichen raum“.

das digitale wörterbuch deutscher sprache fasst unter „öffentlich“ „1. vor aller augen, ohren, vor allen leuten, allen sichtbar, hörbar, 2. für jedermann zugänglich, für alle bestimmt sowie 3. staatlich, städtisch, eine gemeinde betreffend“ als überbegriffe zusammen.

diese definierte gleichberechtigung des zugangs sieht im alltag jedoch anders aus. der rückzug des staates aus ökonomischen und gesellschaftlichen bereichen geht einher mit einer privatisierung und kommerzialisierung öffentlicher räume. parallel mit überwachung und sozialer ausgrenzung, und diese unterstützend läuft ein prozess der ästhetisierung von kommerziell wichtigen stadträumen, der häufig mit einer gentrifizierung einhergeht.

wer bestimmt, wie der öffentliche raum aussieht und was dort geschieht?

wer bestimmt über das maß, in dem wir diesen für uns beanspruchen? wer belebt, frequentiert welche plätze, orte … wer hat zugang, wer wird ausgegrenzt? wer bestimmt über genehmigungsrelevanz oder qualitäten der darin sich vollziehenden handlungen?  wer definiert den lebensraum „stadt“?

und: wie und welche  antworten auf diese fragen werden sichtbar und hörbar, d. h. öffentlich?

öffentlichkeit ist genau wie raum plural zu denken: mediale öffentlichkeit, teilöffentlichkeit, gegenöffentlichkeit … öffentlichkeit ist ein diskursives prinzip, abhängig von gesellschaftlicher teilhabe und bestehenden machtverhältnissen und hat immer mit ein- und ausschluss zu tun.

im öffentlichen raum …

daher werden die antworten der stadtbewohnerInnen und -benutzerInnen auf die von uns gestellte frage in einem dafür eingerichteten forum öffentlich gemacht. jeder und jede kann antworten und kommentieren.

nach beendigung der plakataktion im öffentlichen raum bleibt das forum noch 3 wochen geöffnet.
wem gehört die stadt? Foto: Michaela Niederkircher
Reflexion

die großplakate wurden von vielen leuten beachtet und wir wurden mehrfach darauf angesprochen, speziell von personen aus dem kunstbereich.

aufkleber und postkarten erwiesen sich als ein sehr gutes und unkompliziertes medium, das vor allem bei jugendlichen gut ankam.

die verbreitung der a1- und a0-plakate war schwierig und im stadtraum kaum zu bewältigen, da die kostenfreien plakatflächen täglich von professionellen plakateuren und privaten personen überklebt wurden, sodass wir uns auf kunstnahe institutionen und veranstaltungsräume konzentrierten. wir haben daraus gelernt, dass es notwendig wäre für das plakatieren im stadtraum ein eigenes budget einzuplanen.

das internetforum wurde von über 300 personen besucht. am anfang gab es rege diskussionen, die aber gegen ende des projektes weniger wurden.

insgesamt hatten wir den eindruck, dass die frage wem gehört die stadt?  von vielen leuten als aktuell und dringlich angsehen wurde und dass ein derartiges projekt, unter anderen bedingungen (z. B. mit folgeprojekten)  geeignet gewesen wäre eine breitere diskussion zu diesem thema zu initiieren.

weitere informationen auf www.niederkircher.at

weitere Projekte der stadt_potenziale von Christine S. Prantauer und/oder Michaela Niederkircher:
not for sale. utopie 1–5, 2008
11 windows to my surroundings, 2013
Pampa Pampa, 2015
wem gehört die stadt? Foto: Michaela Niederkircher