stadt_potenziale

Raumnahme

ein Projekt von Freies Radio Innsbruck FREIRAD 105.9
stadt_potenziale 2009, Fördersumme: €9.500,–, Durchführung: 02–07/2010

Projektbeschreibung

In Innsbruck leben Menschen aus 147 Nationen. Die meisten dieser fast 26.000 Menschen mit migrantem Hintergrund sind im Stadtbild nicht sichtbar. Trotzdem machen sie zu einem guten Teil die Urbanität – die Edgar Salin 1960 als „Manifestation einer spezifisch städtischen Qualität der politischen Partizipation und der kulturellen Offenheit und Toleranz“ definierte – dieser Stadt aus.

Mit dem Projekt Raumnahme will FREIRAD 105.9 aktiv auf die verschiedensten Comunities in Innsbruck zugehen und mit ihnen gemeinsam Voraussetzungen schaffen, die es ihnen ermöglichen FREIRAD 105.9 als ihr Medium zu nutzen, sich über das Medium Radio auszutaschen, Gegenöffentlichkeiten herzustellen und sich zu vernetzen. Gleichzeitig gelingt es dadurch auch mit dem sichtbaren Teil der Innsbrucker Bevölkerung in Kontakt zu treten, die jeweils eigene Kultur, Sprache und die eigenen Anliegen deutlich und öffentlich zu machen.

Projektteile

Kontaktaufnahme
FREIRAD 105.9 sucht den Kontakt zu den Communities. Dabei hilft uns unser derzeitiges Netzwerk. Wir werden mit Einrichtungen kooperieren, die bereits erfolgreich Kontakt mit den verschiedensten Communities aufgebaut haben ( z.B. Welthaus, Südwind, FLUCHTpunkt, Caritas Integrationshaus, Flüchtlingsheim Reichenau, Frauen aus allen Ländern, Ankyra, Französisches Kulturinstitut, Salsa Libre oder den OrganisatorInnen des Afrikatages). Bei der Kontaktaufnahme wird es darum gehen, die Möglichkeiten von FREIRAD 105.9 darzustellen und gemeinsam zu erarbeiten wie ein niederschwelliger Zugang für die jeweiligen Communities erreicht werden kann.

Sendereihe Raumnahme
In einer Sendereihe soll der Politik der Vertreibung etwas entgegengesetzt werden. ExpertInnen werden zu Wort kommen, die Folgen einer immer restriktiver werdenden Stadtentwicklung aufzeigen, aber auch Alternativen und best practice Modelle zur Sprache bringen.

Damit sollen einerseits die HörerInnen für die Probleme sensibilisiert werden und andere Ansätze kennenlernen, gleichzeitig wollen wir die verschiedenen Communities dazu ermutigen selbst öffentlich zu werden und am Geschehen in Innsbruck zu partizipieren, und eine aktive Gegenöffentlichkeit zur herrschenden Politik herzustellen.

Seminare
Ein Hauptaspekt des Projektes wird die Ausbildung von möglichst vielen Personen der Communities zu RadiomacherInnen sein. Die Seminare müssen in vielen Fällen direkt auf die Communities zugeschnitten werden und den Bedürfnissen und den Möglichkeiten der TeilnehmerInnen entsprechen. Dabei muss auch auf die sprachlichen Unterschiede der Communities eingegangen werden. Die Seminare können nicht nur auf Deutsch, sondern müssen zum Teil zweisprachig oder mittels DolmetscherInnen abgehalten werden.

Darin hat FREIRAD 105.9 jahrelange Erfahrung. Ziel der Seminare ist nicht nur die Ausbildung zu RadiomacherInnen, sondern auch ein Einblick in die Funktionsweise von Medien, und vor allem das selfempowerment diese dann unabhängig und selbstständig nutzen zu können. Es geht darum, sich selbst Öffentlichkeit zu verschaffen, Gegenöffentlichkeiten herzustellen, am gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und sozialen Leben zu partizipieren und eigene Netzwerke aufzubauen.

Regelmäßige Radiosendungen
Das Projekt soll dazu führen, dass Communities, die bislang im öffentlichen Leben der Stadt nicht vorkommen, mittels selbstgestalteten Radiosendungen an die Öffentlichkeit treten. Dieser Projektteil sieht die Einbindung von neuen Radiomagazinen ins laufende Programm vor. Ziel ist es, den Communities eine dauernde mediale Präsenz zu ermöglichen. Die Sendungen sollen sich sowohl an die eigenen Communities richten, als auch als Plattform dienen, die es ermöglicht mit allen HörerInnen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Damit werden auf der einen Seite Berührungsängste der Innsbrucker HörerInnen abgebaut und gleichzeitig durch die Ausstrahlung der unterschiedlichsten Sprachen Hörgewohnheiten aufgebrochen und erweitert.

In ihren Inhalten können sich die Communities mit den für sie wichtigen Themen präsentieren: ob Kultur, Politik oder Musik hier sind der Kreativität der neuen RadiomacherInnen keine Grenzen gesetzt.

Somit leistet das Projekt „Raumnahme“ nicht nur einen wichtigen Beitrag, Innsbruck als vielfältige soziale Landschaft, in all ihren unterschiedlichen Ausprägungen, darzustellen, sondern ermöglicht den RadiomacherInnen, aktiv in das Geschehen in der Stadt einzugreifen. Gleichzeitig sollen die Sendungen dazu beitragen die einzelnen Communities zu stärken, und über das Medium Radio die eigenen Netzwerke zu erweitern. Dies ist durch das Cultural Broadcastin Archive – CBA, das Sendungsarchiv der Freien Radios in Österreich, auch überregional möglich.

Alle Sendungen zum Nachhören auf http://cba.fro.at
Eine Projektdokumentation findet sich auf www.freirad.at